Mit Transparenten protestierten Mitglieder einer Nottulner Bürgerinitiative am Dienstagabend gegen einen geplanten Windpark der Stadtwerke Münster. Kleines Foto (v.l.): Rainer Schoof, Gero Birkenmaier und Viola Birkenmaier überreichten eine Petition.
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Windkraft: Thönnes schaltet sich ein (29.01.2026)

Bürgermeister schreibt jetzt auch Aufsichtsrat / Deutliche Kritik an Schärfe der Auseinandersetzung

Von Viola ter Horst

Nottuln. In der öffentlichen Debatte um den geplanten Windpark Nottuln-Stockum hat sich jetzt sogar Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes eingeschaltet. Und zwar mit deutlichen Worten.

In einem Schreiben an die Stadtwerke Münster sowie an die Mitglieder des Aufsichtsrats kritisiert er die zunehmende Schärfe der Auseinandersetzung und distanziert sich ausdrücklich von persönlichen Angriffen auf ehrenamtlich Engagierte. Hintergrund ist der offene Brief von Gegnern des von den Stadtwerken Münster geplanten Windparks in Nottuln-Stockum an die Aufsichtsratsmitglieder (wir berichteten). Den Brief bezeichnet Thönnes in seinem Schreiben als in der Form überzogen. Mit „großem Befremden“ nehme er wahr, in welcher Weise Mitglieder des Aufsichtsrats persönlich unter Druck gesetzt würden, heißt es in seinem Brief. Diese Art der Auseinandersetzung überschreitet aus seiner Sicht eine rote Linie. „Auch ich selbst erlebe seit Wochen eine zunehmende Aggressivität in Gesprächen, Briefen und insbesondere in den sozialen Medien“, schreibt Thönnes. Dass nun auch Aufsichtsräte „Ziel solcher Einschüchterungsversuche werden, erfüllt mich mit Sorge um die politische Kultur und den respektvollen Umgang, der Grundlage unserer demokratischen Debatten sein muss“. Kritik an kommunalen und regionalen Projekten sei legitim und ein wichtiger Bestandteil demokratischer Meinungsbildung, betont der Bürgermeister, „persönliche Drohkulissen wie Hinweise auf eine mögliche Haftung mit dem Privatvermögen oder herablassende Bemerkungen über die wirtschaftliche Kompetenz der Stadtwerke Münster“ seien jedoch deplatziert und trügen nicht zur Lösung bei.

Für die Gemeinde Nottuln stellt Thönnes klar, dass man die Stadtwerke Münster als „professionellen, verlässlichen und regional verbundenen Partner“ schätze; gerade die regionale Verankerung sei ein Qualitätsmerkmal und kein Defizit.

Die bisherige Zusammenarbeit sei von „Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Kooperationsbereitschaft“ geprägt gewesen und solle fortgesetzt werden. Zudem verweist der Bürgermeister auf einen breiten politischen Konsens in Nottuln für den Ausbau erneuerbarer Energien. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 werde parteiübergreifend getragen. Thönnes in dem Brief wörtlich: „Der geplante Windpark ist ein wesentlicher Baustein auf diesem Weg.“

Es dürfe nicht zugelassen werden, dass ehrenamtlich engagierte Kommunalpolitiker und Aufsichtsräte „durch persönlichen Druck in ihrer Entscheidungsfreiheit“ beeinträchtigt würden. Er sei zuversichtlich, dass der Windpark Nottuln-Stockum als Projekt regionaler Kooperation realisiert werden könne, so Thönnes.

Bürgerinitiativen demonstrieren vor Stadtwerken

Die Nottulner Bürgerinitiativen „Windsinn“ und „Gegenwind“ haben am Dienstagabend eine Mahnwache vor der Stadtwerke-Zentrale am Hafenplatz in Münster veranstaltet. Anlass waren die Pläne der Stadtwerke, in der Nottulner Bauerschaft Stockum einen Windpark zu errichten (wir berichteten). Die Aktion richtete sich an die Adresse des Aufsichtsrates, der zu diesem Zeitpunkt am Hafenplatz tagte. Vertreter der Bürgerinitiative hatten die Möglichkeit, im Stadtwerke-Gebäude eine Petition mit 1714 Unterschriften zu überreichen. Foto/Text: Klaus Baumeister

Mahnwache auf dem Hafenplatz (MS-Teil)

Nottulner Protest gegen Windpark

Von Klaus Baumeister

MÜNSTER. Freundlich im Ton, aber keine Annäherung in der Sache. So kann man ein Gespräch zusammenfassen, das Viola Birkenmaier, Gero Birkenmaier, Bettina Janning und Rainer Schoof als Vertreter einer Nottulner Bürgerinitiative mit den münsterischen Stadtwerke-Vertretern Martin Schuster und Maximilian Wolf führten.

Anlass war eine Mahnwache der Bürgerinitiative am Dienstagabend vor dem Stadtwerke-Gebäude. Dort tagte zu dem Zeitpunkt der Aufsichtsrat. In Nottuln gibt es massiven Widerstand gegen die Pläne der Stadtwerke, in der Bauerschaft Stockum einen Windpark zu bauen.

Die Sprecher der Bürgerinitiative überreichten eine Petition mit 1714 Unterschriften von Menschen, die „ganz überwiegend in Nottuln wohnen oder einen sehr engen Bezug zu Nottuln haben“, so Rainer Schoof. Der Protest richte sich ausdrücklich nicht grundsätzlich gegen Windenergie, wohl aber gegen den geringen Abstand, der im vorliegenden Fall zur bestehenden Wohnbebauung eingehalten werde. „Wir wollen einen Schutzgürtel“, so Schoof.

Die Petition geht sowohl an die Stadtwerke Münster als auch an die Gemeinde Nottuln und den Kreis Coesfeld. Die Kreisverwaltung ist für die Genehmigung zuständig. Für die sieben Standorte gibt es Vorbescheide.

Maximilian Wolf, Abteilungsleiter für Erneuerbare Energien bei den Stadtwerken, erklärte in dem Gespräch, dass es ein „förmliches Genehmigungsverfahren auf der Basis des geltenden Rechts“ geben werden. Dieses Verfahren sehe auch eine Bürgerbeteiligung vor. Die Vertreter der Bürgerinitiative deuteten derweil an, dass man bereits gegen die Vorbescheide juristisch vorgehen werde. Die Sorge vor einem Windpark „direkt vor unserer Nase“, so Viola Birkenmaier, sei in Nottuln inzwischen sehr stark verbreitet.

Zugleich distanzierten sich die Vertreter der Bürgerinitiative von der teilweise sehr harten Kritik aus Nottuln an die Adresse der Stadtwerke Münster. In einem schriftlichen Statement hatte sich das städtische Tochterunternehmen am Montag über einige verbale Entgleisungen beklagt. So wurden die Stadtwerke auf einer vergangenen Demonstration in Nottuln als „geldgierige Ratten“ bezeichnet.

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