Die Weitsicht fehlt (04.02.2026)
Zur Berichterstattung über den Bau von Windkraftanlagen
Ein Problem in Nottuln ist, dass planerische Weitsicht fehlt. Ein Argument lautet, dass Windkraft gefördert werden müsse, weil Deutschland insgesamt die Klimaziele nur so erreichen könne. Das mag für die gesamtgesellschaftliche Klimapolitik gelten, aber es rechtfertigt nicht, eine einzelne Gemeinde zu überplanen. Wenn Nottuln ein kleines Deutschland wäre, läge die installierte Windenergiedichte hier deutlich über dem Durchschnitt – fünf Mal höher als die Ziele, die von der Bundesregierung angesetzt werden! Warum, Herr Dr. Thönnes, sollen wir das ertragen? (www.bundeswirtschaftsministerium.de)
Die Gemeinden begrüßen den Entwurf zur besseren Steuerung des Windenergieausbaus, um den aktuellen Wildwuchs bei Anträgen außerhalb der vorgesehenen Flächen zu verhindern. Danach dürfen die Unteren Immissionsschutzbehörden Vorhaben außerhalb der in den Regionalplänen ausgewiesenen Windenergiebereiche nicht genehmigen. Das neue Landesgesetz soll die rund 750 Anträge, die vom Bundesgesetz nicht erfasst werden, in geordnete Bahnen lenken. Also genau das, Herr Dr. Thönnes, was Sie tun, soll verboten werden. Und Sie halten weiterhin daran fest (§36a ins Landesplanungsgesetz NRW). Lassen Sie doch die Firmen ihren Hauptsitz […] nach Nottuln verlegen, wenn sie hier bauen wollen. Sie kommen doch nur, weil sie in Münster nicht bauen dürfen. Das ist (Vorbild-)Kooperation. Dann wären Einnahmen vorhanden. Jetzt bekommt sie Münster. Aus den o. g. Grund hinken auch die dummen Vergleiche, dass wir Nottulner etwas von Münster haben. Wenn wir in Münster einkaufen, müssen sich die Münsteraner bedanken. Und nicht anders herum. Sie verdienen daran. […]
In modernen Zeiten ist echte Bürgerbeteiligung angesagt! Digitale Werkzeuge wie z.B. die App Democy ermöglichen es, direkt Informationen zu prüfen, Fragen zu stellen und abstimmen, bevor Entscheidungen fallen. Eine technologiegestützte Beteiligung würde Vertrauen schaffen und die Entscheidungen demokratisch absichern. […] Haben Sie den Mut, eine Abstimmung zu organisieren und öffentlich die einzige Frage zu stellen: Wollen Sie die 18 WEK in Nottuln? […]
Barbara Wagemann
Nottuln
Diskussion geht anders (04.02.2026)
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Befürworter und Gegner der geplanten Windkraftanlagen liefern sich seit Monaten einen Schlagabtausch ohne jegliche Debatte, Moderation und Unterstützung. Gegenseitig haut man sich in zahlreichen Leserbriefen und auf Online-Plattformen gute Argumente um die Ohren, ohne dabei auch nur ansatzweise die Gedanken des Gegenübers anzunehmen. Diskussion geht anders.
Nun schaltet sich nach gut einem Jahr auch der Bürgermeister ein. Leider spät, einseitig und wenig konstruktiv. Die Unzufriedenheit auf beiden Seiten wäre vermeidbar gewesen: Wir hätten von Anfang an Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz benötigt. Eine echte, aktive und frühe Beteiligung der Öffentlichkeit. Und damit meine ich nicht formale Beteiligung wie die Veröffentlichung im Amtsblatt, beiläufige Zeitungsmeldungen oder die auf den letzten Drücker angekündigte finanzielle „Beteiligung“ in Form von Darlehen. Für alle Vorhaben dieser Größenordnung und Tragweite gilt: Erst die Info-Veranstaltung für alle Bürgerinnen und Bürger, dann die öffentliche Debatte, danach die Entscheidung im Rat.
In Nottuln ist man mal wieder umgekehrt vorgegangen und der Rat hat damals mehrheitlich den Beschluss gefasst, die Entscheidungshoheit über die Projektierung aus der Hand der Gemeinde zu geben – leider verbunden mit der naiven Hoffnung, dass die Situation nicht von Dritten ausgenutzt werde. Das ist das Versäumnis der lokalen Politik. Der Adressat für den ganzen Ärger sitzt demnach nicht in Münster. Die Stadtwerke sind nur ein zufälliger Investor, der clever genug war, den kurzen Antragszeitraum bis zur Änderung der Gesetzeslage auszunutzen.
Und nun haben wir den Salat. Alleingelassen mit der Diskussion stellen die Beteiligten betroffen fest, dass das Thema die Gemeinde spaltet. Und beide Lager werfen sich wortreich vor, weiterhin Spaltkeile in die Wunde zu treiben. Warum also entfernen wir diese Spaltkeile nicht einfach? Wenn alle mit anpacken, sollte es klappen – sie sind nur 266 Meter hoch.
Henrik Rump
Nottuln
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