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Zentrales Problem trotzdem nicht gelöst (14.02.2026)

Zur Berichterstattung zum Ausbau der Windkraft und den Leserbriefen

Der geplante Ausbau von sieben weiteren Windenergieanlagen in Nottuln wird als wichtiger Beitrag zur Energiewende dargestellt. Doch der bloße Zubau von Windrädern löst kein zentrales Problem der Stromversorgung: die fehlende Verlässlichkeit bei Dunkelflauten. Ein Blick auf das häufig zitierte Vorbild El Hierro zeigt, warum.

Auf der kanarischen Insel wurde Windkraft mit Speicher kombiniert und international als Musterprojekt gefeiert. In der Praxis scheiterte das Ziel einer stabilen Vollversorgung nicht an zu wenig Windkraft, sondern an zu wenig Speicher. In windreichen Zeiten gab es Überschüsse, in windarmen Phasen blieb nur das fossile Backup. Bis heute sichern dort Dieselgeneratoren die Stromversorgung. Mehr Windräder hätten daran nichts geändert.

Diese Erfahrung lässt sich auf Nottuln übertragen. Auch hier bedeutet jede zusätzliche Windenergieanlage vor allem eines: mehr Strom bei Wind – und keinen Strom bei Flaute. Die geplanten Anlagen erhöhen weder die Versorgungssicherheit noch ersetzen sie konventionelle Kraftwerke. Ohne ausreichend dimensionierte Speicher oder steuerbare Erzeuger bleibt Windstrom ein volatiles Angebot, das vom Wetter abhängt.

Hinzu kommt: Je mehr Anlagen gebaut werden, desto häufiger müssen sie bei Netzüberlastung oder fehlender Abnahme abgeregelt werden. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Der Eindruck, man könne durch immer neue Windräder Energieprobleme lösen, ist technisch nicht haltbar.

Wenn Nottuln Flächen für den Ausbau der Windkraft zur Verfügung stellt, sollte offen benannt werden, was diese Anlagen leisten – und was nicht. Windkraft kann fossile Energien ergänzen, aber nicht ersetzen, solange Speicher und Netzinfrastruktur fehlen. Eine ehrliche Debatte über Kosten, Nutzen und Belastungen ist überfällig.

Energiewende braucht Physik, nicht Symbolpolitik oder Vorzeigeprojekte.

Hubert Schulze Welberg

Nottuln

Keine Informationen für die Bürgerschaft

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[…] Unakzeptabel finde ich, wenn Bürger beim Thema finanzielle Bürgerbeteiligung im Rahmen der Windprojekte im Entscheidungsprozess gänzlich außen vor bleiben.

Außer vagen Informationen, dass es Nachrangdarlehen mit 5 Prozent Verzinsung geben wird, liegt bis zur finalen Entscheidung keinerlei Information für die Bürgerschaft vor. Diese im Hinblick auf bessere Verhandlungspositionen zurückzuhalten, kann doch nicht ernsthaft der Grund sein. Die Windprojektierer sind doch keine Konkurrenten und natürlich stehen sie im gegenseitigen Austausch. Nach Abschluss der Vereinbarung ist diese sogar über die Transparenzplattform zu veröffentlichen.

Der Bürgermeister hat mehrfach bei Politik vor Ort in Darup betont, dass die Gelder und Beteiligungsmöglichkeiten nach Betroffenheit verteilt werden sollen. Mit dem jetzigen Wissen sehe ich dieses Lippenbekenntnis keinesfalls. (…) Für eine Akzeptanzsteigerung sollten betroffene Anwohner besser profitieren können und Möglichkeiten für alle Betroffenen innerhalb dieser Gruppe geschaffen werden.

Im Bereich des Bürgerenergiegesetzes gibt es eine bunte Palette an Möglichkeiten, die Bevölkerung von der Windkraft profitieren zu lassen. Warum diskutiert man dies nicht mit den Bürgern? Bei unwichtigeren Themen wie Blumenauswahl auf dem Stiftsplatz werden Bürger beteiligt.

Beim Thema Bürgerenergiegesetz, wo es ausdrücklich um Akzeptanzsteigerung der Windkraft durch die Bevölkerung geht, fragt man die Bürger nicht mal, was zu einer Akzeptanzsteigerung beitragen kann. Ohnmächtig muss man zuschauen, wie Verwaltung im nichtöffentlichen Bereich verhandelt und agiert und letztlich ein abgeschlossenes Ergebnis präsentiert.

Diese Ohnmacht ist unerträglich.

Benedikt Wessling

Darup

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