Informationsabend des Schlaun Cirkels zur Klimaneutralität – Ein Austausch der Standpunkte (17.07.2025)
NOTTULN. Ein „moralischer Pranger“ sollte dieser Abend nicht werden. „Was wir brauchen, ist ein freier, respektvoller Austausch“, sagte Marcus Ahlers am Dienstagabend in der Alten Amtmannei. Der Vorsitzende des Schlaun Cirkels Nottuln gab damit die Marschroute vor für einen Informationsabend zum Thema „Nottuln – klimaneutral 2030 – um jeden Preis?“. Dabei ging es hauptsächlich um die Windenergie und deren Ausbau. Gerade bei diesem Thema können die Emotionen bekanntlich schnell hochkochen, das war auch am Dienstag zeitweise zu beobachten.
Rund 130 Bürgerinnen und Bürger waren zu der Veranstaltung gekommen, die der Schlaun Cirkel aus Anlass der aktuellen Windenergiedebatte und wegen der Vielzahl neuer Windenergieanlagen im Gemeindegebiet organisiert hat. Unter den Zuhörern waren Ratsmitglieder, Bürger aus dem Fasanenfeld, aus anderen Ortsteilen und aus Nachbarkommunen.
Mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Dr. Susanne Diekmann, mit dem Stadtwerke-Münster Vertreter Maximilian Wolf und dem Rechtsanwalt Thomas Mock (für die BI „proBaumberge“) hatte der Schlaun Cirkel drei Referenten eingeladen, die sehr unterschiedlich das Thema angingen. Allen drei wurde viel Zeit gewährt, sodass erst zweieinviertel Stunden nach Beginn die eigentliche Fragerunde der Zuhörerschaft beginnen konnte.
Susanne Diekmann, für die Grünen Mitglied im Nottulner Gemeinderat, stellte ausführlich die vom Gemeinderat im Dezember 2021 beschlossene Strategie zur Klimaneutralität 2030 vor. Ein Aspekt von vielen ist der Ausbau der Windenergie. Um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden und den Ausbau zu fördern, hat der Gemeinderat mit breiter, parteiübergreifender Mehrheit die Aufhebung der Konzentrationsplanung beschlossen. Aktueller Ausbaustand der Windenergie ist nach Angaben von Diekmann: Für eine Leistung von 35,8 Megawatt gebe es Genehmigungsbescheide, für 67,36 Megawatt Vorbescheide und für 10,26 Megawatt Änderungsgenehmigungen.
„Nottuln ist auf einem sehr guten Weg, seine ambitionierten Klimaziele zu erreichen“, betonte Diekmann. Sie sprach von einer aktiven Bürgerschaft, die dieses Ziel unterstütze, von Rat und Verwaltung, die sich engagiert und parteiübergreifend dafür einsetzten.
Maximilian Wolf von den Stadtwerken Münster warb dafür, die Stadtwerke als fairen Partner zu sehen. Es gehe nicht um Gewinnoptimierung um jeden Preis. Bürgerbeteiligung sei fester Bestandteil des Planungs- und Bauprozesses. Die Windenergie habe für die Versorgungssicherheit und den Klimaschutz eine große Bedeutung. Ein Windrad im Münsterland könne jährlich rund 14 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, damit rechnerisch rund 4000 Haushalte ein Jahr lang versorgen und dabei helfen, mindestens 7000 Tonnen CO₂ einzusparen.
Ganz konkret ging Maximilian Wolf auf den Windpark Stockum ein, den die Stadtwerke planen. Eine Übersichtskarte vermittelte die Standorte der acht Anlagen. Für den Herbst planen die Stadtwerke eine Bürgerinformation, dabei wollen sie auch deutlich machen, dass die Bürger an der Wertschöpfung beteiligt werden sollen. Instrumente dafür sind: Nachbarschaftsgeld für direkte Anlieger von Windenergieanlagen, Bürgerbeteiligung per Nachrangdarlehen, Verkauf einer Anlage an eine Lokale Bürgergesellschaft, die Beteiligung der Gemeinde an den Erträgen und die Zusage, dass 90 Prozent der Gewerbesteuern in die Standortgemeinde Nottuln fließen werden.
Aktuell, so Wolf, sei man noch in einem frühen Stadium des Verfahrens, zahlreiche Gutachten müssten noch erstellt werden. Eine Inbetriebnahme des Windparks könnte 2028/2029 erfolgen.
Eine „kritische, eine völlig andere Sicht der Dinge“ wollte Rechtsanwalt Thomas Mock als Vertreter der BI „proBaumberge“ vermitteln. Er nannte unter anderem die beabsichtigten CO2-Einsparziele eine Chimäre, ein Trugbild, hinter dem man herlaufe. Um eine wirkliche Transparenz herzustellen, müsse die gesamte ökologische Belastung für die Herstellung einer Windenergieanlage betrachtet werden. Mock nahm dafür als Beispiel den Kupferverbrauch. Das Material werde unter Einsatz von viel Chemie gewonnen, tausende Tonnen von belastetem Geröll, von Mock als „Ewigkeitslasten“ definiert, würden anfallen. Selbst moderne Braunkohlekraftwerke seien effizienter im Ressourcenverbrauch und verursachten insgesamt weniger CO2-Ausstoß.
Mock beschäftigte sich kritisch mit den Bestimmungen des Erneuerbaren Energien-Gesetzes, kritisierte die enormen Kosten und Investitionen in die Erneuerbaren Energien und sprach von einer Umverteilung von unten nach oben. Dass Landwirte 300.000 Euro und mehr Jahrespacht von Windenergieanlagenbetreibern gezahlt bekämen, führe zu Zerwürfnissen mit anderen Landwirten, die keine geeigneten Flächen hätten. Pachtkosten stiegen, damit die Betriebskosten, was letztlich auch zu steigenden Lebensmittelpreisen führen werde.
Thomas Mock sah Deutschland energiepolitisch auf einem falschen Weg. Energie sei zu teuer, heimische Braunkohle, die für 400 Jahre reiche, lasse man ungenutzt. Dagegen mache man sich abhängig von China, da von dort der Großteil der Komponenten für Windenergie- und PV-Anlagen komme. Andere Länder machten es besser, setzten auf Atomkraft.
Schließlich: „Ich glaube nicht, dass wir das Klima beeinflussen können“, erklärte der Referent. Statt in CO₂-Vermeidung zu investieren, sollte man vorrangig in Maßnahmen zur Klimaanpassung investieren.
Dass der Referent mit seiner Meinung nicht allein ist, zeigte der Applaus. Hingegen schüttelten Befürworter der erneuerbaren Energien die Köpfe.
Die Bilanz des Abends – sie hängt vom persönlichen Standpunkt ab.
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