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Mahnwache vor den Stadtwerken (24.01.2026)

Schwerpunktthema Windkraft

Bürgerinitiativen „Gegenwind“ und „Windsinn“ überreichen Petition

Von Viola ter Horst

Nottuln. „Stopp der Münsteraner Mega-Windräder in Nottuln – für Lebensqualität und Mitsprache!“, so ist die Petition gegen den Windpark der Stadtwerke Münster überschrieben. 1714 Menschen haben sie unterschrieben – jetzt wollen die beiden Bürgerinitiativen „Windsinn Nottuln“ und „Gegenwind Nottuln“ die Petition überreichen. Und zwar im Rahmen einer gemeinsamen Mahnwache am Dienstag, 27. Januar, vor den Stadtwerken Münster am Hafenplatz 1. Anlass ist die erste Sitzung des neuen Aufsichtsrates der Stadtwerke Münster. Die laut Initiativen angemeldete Mahnwache startet um 16.30 Uhr. Zentrale Forderung: Die Stadtwerke sollen von den Windparkplänen in Nottuln-Stockum Abstand nehmen. Neben der Überreichung der über 1700 Unterschriften planen die Initiativen auch eine Videopräsentation auf Leinwand. Zudem wollen sie mit Särgen symbolisieren, dass „wir unsere Heimat und Kulturlandschaft zu Grabe“ tragen, wie die Initiativen mitteilen. Zuvor hatten Vertreter beider Initiativen einen gemeinsamen offenen Brief an die neuen Aufsichtsratsmitglieder geschrieben (wir berichteten).

Die Stadtwerke Münster planen zwischen Nottuln, Darup und Hövel bis zu sieben Windenergieanlagen. Sie könnten nach Angaben der Stadtwerke ab 2028 rund 30.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein positiver Vorbescheid des Kreises Coesfeld liegt vor. Gegen diesen Vorbescheid haben Anwohner inzwischen Klage eingereicht. Nach Angaben von „Windsinn“ beschäftigen sich inzwischen vier Kanzleien mit dem Thema (weiterer Text).

Die Initiativen sind der Meinung, dass der Standort für das Vorhaben nicht geeignet sei und „unverhältnismäßig in geschützte Gebiete“ eingreife. Sie sagen, dass Münster selber noch genügend eigene Flächen für Windkraftanlagen habe. „Der Bau solcher gigantischen Anlagen, unmittelbar vor den Baumbergen und an der Stiftsgemeinde Nottuln, wird das geschützte Kulturlandschaftsbild auf Jahrzehnte zerstören und für alle Menschen in der Region einen unverhältnismäßigen Verlust darstellen“, heißt es in einem Schreiben der Initiativen.

Die Stadtwerke widersprechen der Aussage, dass es noch genügend Flächen in Münster gebe: „Wir haben ein begrenztes Potenzial und vielleicht noch ein, zwei geeignete Standorte“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Juliette Polenz gegenüber unserer Zeitung. Nicht zuletzt profitiere auch das Umland von Münsters Infrastruktur – von Krankenhäusern bis zur Uni. An dem Vorhaben halten die Stadtwerke fest. „Aktuell stellen wir die Unterlagen für das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren zusammen“, so Polenz. Für einen konstruktiven Austausch mit den Bürgern seien die Stadtwerke offen; Bürgerbeteiligung habe einen besonders hohen Stellenwert. „Wir verstehen die Sorgen der Bürger.“

Ursprünglich waren bis zu acht Windräder geplant, von einem Standort haben sich die Stadtwerke inzwischen verabschiedet. Er taucht auf der Internetseite der Stadtwerke nicht mehr auf.

Auch Befürworter schreiben Brief

Nottuln (vth). Es wenden sich nicht nur Gegner an die Stadtwerke Münster zum Thema Windpark in Nottuln-Stockum. Auch Befürworter stehen parat. Nachdem die Windkraftgegner den Aufsichtsrat der Stadtwerke Münster angeschrieben haben, gibt es nun auch einen Brief, der von über 40 Befürwortern aus Nottuln unterschrieben ist. Ebenfalls als offener Brief verfasst, so wie es die Gegner auch gehandhabt haben. „Wir möchten, dass Sie wissen: Die Mehrheit der Nottulner steht hinter diesem Klimaschutzprojekt“, heißt es darin. Die Befürworter fordern den Aufsichtsrat auf, von dem „tollen Engagement in und für Nottuln nicht abzulassen“.

Auch auf die Geschichte des Engagements für klimaschonende Energie in Nottuln blickt der Brief zurück. So seien schon vor 30 Jahren die ersten Solaranlagen auf viele Einfamilienhäuser installiert worden. Dass Nottuln schon genug gemacht hätte, verstehen die Unterzeichner des Briefes, der von Jürgen Hilgers-Silberberg verfasst wurde, gar nicht. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Was ist das für eine Nabelschau. Wollen wir das Schlimmste noch verhindern, müssen wir jetzt und hier alle Möglichkeiten nutzen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Da kann doch Nottuln nicht einen zwei Kilometer breiten Schutzgürtel um die Gemeinde legen, wie eine Petition der Windkraftgegner sie fordert.“ Viele Argumente der Windkraftgegner seien so alt wie die Energiediskussion und durch Wissenschaft, Erfahrung und technische Innovationen widerlegt.

Vier Kanzleien eingeschaltet

Nottuln (vth). Gegen den vom Kreis Coesfeld erteilten Vorbescheid für den geplanten Windpark Stockum sind Klagen eingereicht worden. Nach Angaben der Bürgerinitiative „Windsinn Nottuln“ handelt es sich um mehrere voneinander unabhängige Anwohnergruppen aus Nottuln.

Nach Kenntnisstand der Initiative sind vier überregionale Spezialkanzleien mit entsprechenden Mandaten befasst. Dr. Rolf Gerlach von „Windsinn Nottuln“ spricht von einem „bemerkenswerten Ausmaß juristischer Aktivitäten bereits gegen die Vorbescheide“. Hier dokumentiere sich „Bürgerwille und demokratische Wehrhaftigkeit auf eindrucksvolle Weise“, freut er sich in einer Mitteilung.

Kritik äußern Vertreter der Initiative weiter an den aus ihrer Sicht unabsehbaren Auswirkungen der Anlagen auf Landschaft und Ortsbild sowie an der Rolle der Stadt Münster als alleiniger Gesellschafterin der Stadtwerke Münster. „Im Internet findet man ein solches Vorgehen unter dem Stichwort ,Windkraftkolonialismus‘“, weist Rainer Schoof von „Windsinn“ erneut auf ein Reizwort hin, das auch bereits in der Berichterstattung in Münster höhere Wellen schlug. „Münster versucht, den Widerstand vor der eigenen Haustür zu umgehen und die mit entsprechenden Windparks verbundenen Probleme ins Umland zu verfrachten.“ Schoof betont, dass man nicht gegen Windkraft generell sei und dies auch nie gewesen sei. Es müsse aber über eine fairere Lastenverteilung nachgedacht werden.

Dr. Ralf Hubo von „Windsinn“ ist der Meinung, dass die Wirkung und Folgen „so riesiger Windkraftanlagen“ für die Gemeinde und ihr Erscheinungsbild „unabsehbar“ seien.

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