Die Windradnabe mit den drei Rotorblättern wiegt fast 102 Tonnen. Arbeiter schrauben eine Halterung (gelb) an, an der ein Kran den Rotor in die Höhe ziehen wird.
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In NRW drehen sich 4026 Windräder (13.01.2026)

2025 deutlicher Zuwachs – Ostwestfalen-Lippe und Münsterland vorne

Von Christian Althoff

MÜNSTER. NRW führt beim Ausbau der Windenergie erneut das Ranking der Bundesländer an – vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Allerdings sieht die Branche Probleme für den weiteren Ausbau.

Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) teilte am Montag mit, 2025 seien in NRW 259 neue Windräder mit einer theoretischen Leistung von insgesamt 1346 Megawatt errichtet worden. „Das sind 80 Prozent mehr als ein Jahr zuvor“, erklärte LEE-Sprecher Dr. Ralf Köpke.

Damit drehen sich jetzt in Nordrhein-Westfalen 4026 Windräder mit einer installierten Leistung von 9081 Megawatt. Installierte Leistung bedeutet die Leistung, die bei optimalen Windverhältnissen zur Verfügung steht. Realistisch ist nach Branchenangaben ein Jahresertrag von etwa 30 Prozent der installierten Leistung.

Den größten Anteil am Ausbau hatten im vergangenen Jahr die Regierungsbezirke Detmold und Münster. So wurden in Ostwestfalen-Lippe 73 neue Windräder errichtet und 275 weitere genehmigt. Insgesamt gibt es dort jetzt 1063 Windkraftanlagen.

Für das Münsterland meldete der LEE 61 neu gebaute Anlagen und 210 Genehmigungen, dort drehen sich jetzt insgesamt 1140 Windräder.

In Ostwestfalen-Lippe konzentrierte sich der Ausbau auf die Kreise Paderborn (34 neue Windräder, 79 Genehmigungen), Lippe (21/35) und Höxter (18/129), während es in den Kreisen Herford und Gütersloh sowie in Bielefeld kein neues Windrad gab.

Im Münsterland war der Ausbau dagegen mit Ausnahme der Stadt Münster auf die gesamte Fläche verteilt. Gemeldet wurden für den Kreis Steinfurt 17 neue Anlagen und 20 genehmigte. Die weiteren Zahlen: Kreis Warendorf 14/45, Kreis Recklinghausen 10/8, Kreis Coesfeld 10/27 und Kreis Borken 10/109.

LEE-Geschäftsführer Christian Vossler sieht zwei Probleme beim weiteren Ausbau: Marode Brücken und das Leitungsnetz. LEE-Sprecher Ralf Köpke: „Die Schwertransporte mit den Teilen von Windkraftanlagen müssen manchmal 100 Kilometer Umweg fahren, weil eine Brücke ihre ursprüngliche Tragfähigkeit nicht mehr hat. Das erschwert die Planungen und kostet Zeit und Geld.“

Haupthindernis seien allerdings die Leitungsnetze, die oftmals nicht die Kapazität hätten, den Windstrom weiterzuleiten, weshalb dann Anlagen abgeschaltet werden müssten. Steffen Lackmann, Geschäftsführer der Hellwegwind GmbH mit Sitz in Paderborn: „Der Netzausbau ist komplett verschlafen worden.“ Als Beispiel nennt der Windkraftunternehmer das Gebiet an der Grenze Nordrhein-Westfalens zu Nordhessen: „Da gibt es Netzengpässe, die seit zehn Jahren bekannt sind. Der Ausbau der Hochspannungsleitungen ist aber erst für 2030 geplant.“ Deshalb werde in dieser Region Jahr für Jahr eine Strommenge abgeregelt, die 90.000 Haushalte versorgen könne. „Und die Entschädigung, die wir fürs Abregeln bekommen, zahlt der Verbraucher.“

Lackmann sagte, Netzbetreiber wie Avacon stellten Windradbetreibern sogenannte Netzverknüpfungspunkte zur Verfügung, an denen der Windstrom eingespeist werde. „Wir sind gewohnt, dass so ein Punkt zehn oder 15 Kilometer vom Windrad entfernt sein kann. Das bedeutet für uns, dass zehn Prozent der Investitionskosten nur für den Anschluss draufgehen.“ Aktuell sei man aber mit Anschlusspunkten in mehr als 20 Kilometern Entfernung konfrontiert. „Da rechnet sich dann ein Windrad irgendwann nicht mehr.“

Aktuell wird der Netzausbau (ab Einspeisungspunkt) von allen Stromkunden über die Stromrechnung finanziert. Deshalb werden Verbraucherinnen und Verbraucher in windkraftintensiven Gebieten stärker belastet. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) hatte im September gefordert, dass sich die Erzeuger von Ökostrom stärker an den Kosten des Netzausbaus beteiligen.

Um mehr Windstrom im vorhandenen Netz transportieren zu können, schlägt die Windradbranche vor, die Belastung des Netzes realistischer zu berechnen. Steffen Lackmann: „Im Moment wird die installierte Leistung der Windräder als Maßstab zugrundegelegt, die aber nur selten erreicht wird.“ Zudem würden Netzbetreiber die Windkraftanlagen oft schon herunterfahren, wenn das Netz zu 70 Prozent ausgelastet sei. „Es wäre hilfreich, wenn man die Kapazitäten besser ausschöpfte.“

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