Genauer Blick auf die Fakten (03.03.2026)
Zum Leserbrief „Meinung ist nicht gleich Falschaussage“ vom 19. Februar
Herr Machens fordert zu Recht, Meinung und Falschaussage sauber zu trennen. Genau deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Fakten, die er selbst anführt.
Auf seiner Internetseite heißt es wörtlich: „Immobilienwerte: Wissenschaftlich belegter Wertverlust (7 bis 23 % je nach Haustyp).“ Diese Spannbreite findet sich in Zusammenfassungen der RWI-Studien wieder und beschreibt durchschnittliche Effekte im Umfeld von Windenergieanlagen. Ausgeblendet wird dabei regelmäßig, dass sich diese Untersuchungen auf Bestandsanlagen beziehen – nicht auf die heute geplanten 270-Meter-Großanlagen. Mit fast 270 Metern ändern sich nicht nur die Zahlen, sondern auch die Wirkung – sichtbar, hörbar und bislang kaum erforscht. […]
Ebenso irritierend ist der Umgang mit neuen Baugebieten. Auf der Webseite von Herrn Machens wird zum Neubaugebiet „Niederstockumer Weg“ ausgeführt, Käufer wüssten beim Erwerb von den geplanten Windkraftanlagen. Das ist nachweislich falsch: Die NRW.URBAN Kommunale Entwicklung GmbH teilt schriftlich mit, dass die Windkraftanlagen nicht Bestandteil der Bauleitplanung waren. Von planerischer Transparenz gegenüber Käufern kann also keine Rede sein.
Wenn Herr Machens schreibt, „Münster baut“, hält diese Aussage einer Überprüfung nur bedingt stand. Im aktuellen Städteranking des Instituts der Deutschen Wirtschaft, über das die WN selbst berichten, wird Münster im Klimabereich ausdrücklich kritisiert/ herabgestuft: zu wenig Windräder. Statt diese Lücke zu schließen, werden die Belastungen ins Umland verlagert – nach Nottuln, mit allen bekannten Folgen für Landschaft, Wohnqualität und Eigentum.
Klimaschutz braucht Akzeptanz, Transparenz, Bürgerbeteiligung und Ehrlichkeit. Wer Studien zitiert, aber neue Anlagendimensionen ausblendet und berechtigte Sorgen durch vermeintliche Sachlichkeit überspielt, trägt nicht zur Versachlichung bei – sondern zur weiteren Spaltung.
Thorsten Runge
Emsdetten
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Respektvollerer Umgangston
Entscheidungen gehen am Bürger vorbei
Zum Bericht „Gemeinsamer Appell für mehr Respekt“ vom 27. Februar
Der veröffentlichte „Gemeinsame Appell für mehr Respekt“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Plädoyer für einen besseren Umgangston. Tatsächlich blendet er jedoch die eigentliche Ursache vieler Konflikte aus: politische Entscheidungen, die an einem erheblichen Teil der Bürgerschaft vorbeigehen. Der UBG danke ich ausdrücklich, dass sie sich dieser einseitigen Erklärung nicht angeschlossen hat. Das verdient Respekt.
Wer Politik gegen die Überzeugung vieler Bürgerinnen und Bürger gestaltet, darf sich über deutliche Kritik nicht wundern. Debatten, Leserbriefe und öffentlicher Widerspruch sind keine Respektlosigkeit, sondern Ausdruck demokratischer Teilhabe.
Wenn aus einem gewachsenen Dorf zunehmend ein Industrie- und Windenergiestandort im Umland von Münster werden soll und dabei Natur-, Arten- und Gesundheitsschutz sowie massive Wertverluste privater Lebensleistungen billigend in Kauf genommen werden, dann geht es nicht mehr um „Ton“, sondern um grundlegende Weichenstellungen.
Besonders bitter ist, dass Bürgerinnen und Bürger in Nottuln inzwischen eine wesentlich höhere Grundsteuer zahlen als in Münster – und zugleich mit ansehen müssen, wie ihr unmittelbares Lebensumfeld durch Windparkanlagen, großflächige Lagerhallen und Logistikzentren und weitere Gewerbeansiedlungen verändert wird, um vergleichsweise geringe zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde zu erzielen. Viele fühlen sich dadurch nicht vertreten, sondern übergangen.
Statt Kritik als Stilproblem abzutun, wäre Selbstkritik angebracht. Entscheidungen sind nicht sakrosankt. Das Beispiel des Gebäudeenergiegesetzes hat gezeigt, dass politische Korrekturen notwendig sind, wenn Vertrauen nicht dauerhaft beschädigt werden soll.
Respekt entsteht nicht durch gemeinsame Erklärungen, sondern durch echtes Zuhören, Transparenz und die Bereitschaft zur Korrektur. Machen Sie endlich Politik mit den Bürgerinnen und Bürgern – im Sinne von Nottuln und zum Erhalt unseres Umlandes und unserer Dorfgemeinschaft.
Sven Schubert
Nottuln
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