Offene Debatte gar nicht gewollt ? (11.03.2026)
„Gemeinsamer Appell für mehr Respekt“, 27. 2.
Es ist schon ein bemerkenswertes Stück politisches Schauspiel, das die Gemeinderatsfraktionen von CDU, SPD, Grüne und FDP hier aufführen. Wenn die Argumente ausgehen, flüchtet man sich offenbar in die Rolle des Opfers und beklagt mangelnden „Respekt“. Doch wer den „rauen Ton“ in der Windkraft-Debatte beklagt, sollte sich fragen, wer den Wind gesät hat.
Respekt ist keine Einbahnstraße. Wer Transparenz verspricht, aber die Bürger vor vollendete Tatsachen stellt, darf sich über eine „aufgeheizte Stimmung“ nicht wundern. Wenn Bürgermeister und Gemeinderat ernsthaft an der Klärung der offenen Fragen interessiert wären, könnten sie jederzeit ein öffentliches Forum für diese Diskussion schaffen. Dass dies offensichtlich nicht geschieht, lässt vermuten, dass eine offene Debatte gar nicht gewollt ist.
Der Kern der Diskussion um die geplanten Windkraftanlagen in Nottuln-Stockum liegt aus unserer Sicht in einem gravierenden Standortproblem. Geplant wird in einem Bereich, der im Landschaftsschutzgebiet liegt – in unmittelbarer Nähe zu einem Naturschutzgebiet sowie zu einem FFH-Gebiet. Diese Schutzkulissen bestehen nicht zufällig. Sie wurden eingerichtet, um sensible Lebensräume, geschützte Arten und das gewachsene Landschaftsbild unserer schönen Baumberge dauerhaft zu erhalten. Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zur Wohnbebauung. Für viele Anwohner stellen sich daher konkrete Fragen: zur Lärmbelastung, zu Auswirkungen von Infraschall, zur optischen Bedrängung durch sehr große Anlagen sowie zu Wertverlusten ihrer Immobilie. All diese kritischen Punkte sind dem Bürgermeister und dem Gemeinderat seit Jahren bekannt. Es geht hier nicht um fernab geführte politische Diskussionen, sondern um das unmittelbare Lebensumfeld vieler Menschen – und das wirft zwangsläufig Fragen auf.
Diese Fragen verdienen Antworten – und dürfen nicht als Drohung, Beleidigung oder als Überschreiten einer „roten Linie“ dargestellt werden. Respekt entsteht dort, wo Argumente gehört und geprüft werden – nicht dort, wo berechtigte Bedenken als Störung empfunden werden.
Ruth Hövel Axel Winkler
Nottuln
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