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Stadtwerke reduzieren um eine Anlage (12.05.2026)

Nottuln-Stockum: Kein Windrad auf dem Zippenberg – sechs sind noch geplant

Von Viola ter Horst

NOTTULN. Weniger Anlagen als zunächst geplant: Die Stadtwerke Münster wollen den geplanten Windpark in Nottuln-Stockum nun doch kleiner umsetzen. Statt zunächst acht, später sieben Windenergieanlagen sollen jetzt noch sechs gebaut werden. Hintergrund sind neue Erkenntnisse aus schalltechnischen Untersuchungen. Vor Ort regt sich weiterhin Widerstand gegen das Projekt. Gleich zwei Bürgerinitiativen machen mobil gegen die Pläne.

Wie Stadtwerke-Sprecherin Juliette Polenz auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, wird der Standort der Windenergieanlage 5 auf dem Zippenberg nicht weiter verfolgt. Bei Voruntersuchungen für das schalltechnische Gutachten habe sich gezeigt, dass die Anlage wegen strenger Schallschutzvorgaben wirtschaftlich kaum sinnvoll betrieben werden könne. Demnach wären zahlreiche Drosselungs- und Abschaltzeiten nötig gewesen. „Dass der Standort in der Nähe eines Wohngebiets kritisch geprüft werden muss, hat sich bereits zuvor angedeutet“, so Polenz. Deshalb sei die Anlage in Präsentationen zuletzt nur noch als „in Prüfung“ geführt worden.

Die Stadtwerke planen damit weiterhin die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen zwischen den Siedlungsbereichen von Nottuln, Darup und Hövel. „Ziel ist es, nun die sechs Anlagen in den Genehmigungsprozess zu bringen“, sagt Polenz. Der Kreis Coesfeld hatte bereits im Frühjahr 2025 einen positiven Vorbescheid erteilt und damit zunächst eine grundsätzliche planungsrechtliche Eignung der Standorte bestätigt. Aktuell stellen die Stadtwerke nach eigenen Angaben die Unterlagen für das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren zusammen. Der Antrag soll in der zweiten Jahreshälfte eingereicht werden. Anschließend sollen die Unterlagen öffentlich ausliegen, Bürger können dann Stellungnahmen abgeben. Bei positivem Verlauf könnten die Anlagen frühestens 2028 in Betrieb gehen.

Das Projekt sorgt in Nottuln derweil weiter für Diskussionen. Kritiker sprechen von zu großen Eingriffen in Landschaft und Wohnumfeld. Zwei Bürgerinitiativen haben sich inzwischen gegen die Pläne formiert. Die Stadtwerke kündigen zugleich an, ein Konzept zur Bürgerbeteiligung gemeinsam mit Politik und Verwaltung vor Ort zu erarbeiten.

An den Höhen der Windanlagen halten die Stadtwerke fest: Bis zu knapp 267 Meter Gesamthöhe sollen die Anlagen messen. Aktuell gilt in der Nähe von Münster zwischen Handorf und Gelmer eine Windanlage als eine der größten in der Umgebung – mit etwa 230 Metern, was ungefähr der Höhe des Berliner Fernsehturm entspricht. Die Anlagen in Stockum wären somit noch einmal größer. „Wir haben im vergangenen Jahr in Südlohn drei Anlagen in Betrieb genommen, die mit Gesamthöhen von 250 Metern unsere bislang größten sind“, berichtet Polenz. Diese Höhen seien mittlerweile in den Planungen vieler Projektierer Standard. Der Vorteil bei größeren Anlagen liege darin, dass sich auf weniger Fläche mehr Strom erzeugen lasse, weil der Wind in diesen Höhen stärker und gleichmäßiger wehe. Zum Vergleich: Der WDR-Sender in den Baumbergen misst 181,2 Meter, der Longinusturm ist 32 Meter hoch. „Außerdem sind moderne Anlagen effizienter und produzieren deutlich mehr Strom als die kleineren Anlagen, die man früher hatte.“ Auch reagierten moderne Windkraftanlagen automatisch oder durch vordefinierte Abschaltalgorithmen auf Fledermäuse und windenergiesensible Vögel, um Zusammenstöße zu verhindern.

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