„Es bleibt ein Restrisiko für die Investoren“ (05.06.2026)
Überarbeitete Pläne für Bürgerwindpark Hamern-Gantweg
Von Stephanie Sieme
BILLERBECK. Die letzte öffentliche Auslegung der Pläne für den Bürgerwindpark Hamern-Gantweg ist exakt ein Jahr her. „In dieser Zeit ist viel passiert“, sagte Michael Ahn vom Planungsbüro Wolters und Partner, der jetzt im Bezirksausschuss die überarbeitete Planung vorstellte. Danach sollen bekanntlich nicht mehr sechs Windräder im Bereich Hamern-Gantweg gebaut werden, sondern lediglich vier (wir berichteten). Ein Knackpunkt ist ein „unüberwindbarer Widerspruch“ der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld zu drei Standorten im Landschaftsschutzgebiet „Baumberge“.
Des Weiteren sind Gesetzesänderungen eingeführt worden, die berücksichtigt werden mussten. Zudem hatten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie Bürger die Auswirkungen auf die Stadtsilhouette bemängelt. Zwei Standorte wurden gestrichen, einer wird verschoben. „Von der Topografie her sind die markantesten Standorte verschwunden“, so Ahn. Auf Forderung des LWL sei eine neue Visualisierung erarbeitet worden.
Ob eine Jet-Tiefflugstrecke der Bundeswehr Auswirkungen auf die Planung habe, sei aktuell nicht ganz klar. Es erfolge seitens der Bundeswehr derzeit „eine regelrechte Mobilmachung mit Folgen in allen Bereichen“, berichtete Ahn. Dabei seien auch Flächen für Jet-Tiefflugstrecken ein Thema. Die Bundeswehr könne erst im weiteren, detaillierten Genehmigungsverfahren endgültig und genauer eine Auskunft dazu geben, ob es eine Höhenbegrenzung für Windkraftstandorte in diesem Bereich geben könnte. „Das will sie noch nicht ausschließen“, sagte Ahn. „Es bleibt ein Restrisiko für die Investoren.“
Ärgerlich sei laut Ahn, dass durch die neue Planung auch alle Gutachten erneuert werden mussten. „Ein Jahr ist deswegen vergangen. Ein Jahr, das teuer und voller Arbeit war“, so der Planer. Zudem habe es gesetzliche Änderungen gegeben. Durch sogenannte Beschleunigungsgebiete, sollen Windenergieanlagen schneller gebaut werden können, mit kürzeren bürokratischen Prozessen. Dazu soll auch das sogenannte Artenschutzfachbeitrag-Tool (AFB-Tool) beitragen, ein digitales Instrument, durch das die Artenschutzprüfung quasi per Knopfdruck erfolgt. Die Stadt Billerbeck will auf das Tool verzichten, weil bereits ein viel detailliertes Artenschutzgutachten vorliege. Ob der Kreis Coesfeld und die Bezirksregierung mitgehen, werde sich bei der Auslegung der Pläne zeigen. Hamern-Gantweg erfülle jedenfalls alle Voraussetzungen für ein Beschleunigungsgebiet, wie Ahn berichtete.
Nun soll die überarbeitete Fassung in die Offenlage geschickt werden. Das empfiehlt der Bezirksausschuss mit großer Mehrheit. Eine Gegenstimme gab es von der SPD. Darüber beraten wird noch der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss, der Rat trifft dann die endgültige Entscheidung. Die Offenlage, bei der Behörden und Bürger Stellung beziehen können, ist Teil des Verfahrens für die Änderung des Flächennutzungsplanes in dem Bereich, wo die Windräder entstehen sollen. Die Änderung ist nötig, damit überhaupt Windräder dort errichtet werden können. Die überarbeitete Fassung sei ein laut Ralf Flüchter (Grüne) fairer Interessensausgleich. Das Landschaftsschutzgebiet werde geschützt, aber es sei auch noch eine Wirtschaftlichkeit für die Investoren gegeben. „Wir werden das Verfahren weiter positiv begleiten“, sagte Christoph Ueding (CDU).
Historisch alle Artikel finden Sie unter dem Archiv-Reiter