Schallmessung wird angefochten (12.06.2026)
Windkraft in Ottmarsbocholt: Anlieger schalten eigenen Gutachter ein
Von Dietrich Harhues
OTTMARSBOCHOLT. Jetzt prallen die Gutachter aufeinander: Die Anwohner der beiden Windräder in Ottmarsbocholt haben die Schallschutzuntersuchung, die die Betreiber beim Kreis als Genehmigungsbehörde eingereicht haben, überprüfen lassen und fechten sie an. Der von den Anliegern eingeschaltete Ingenieur habe die Messwerte seiner Kollegen „analysiert“ und ihr Vorgehen bei den Messungen auf das Einhalten von Regeln und Standards hin abgeklopft, wie Michael Roski-Holz, einer der Sprecher der Anwohner-Initiative, gegenüber unserer Redaktion erläutert.
Das Ergebnis aus Sicht der Anlieger: Das Gutachten weise erhebliche „Mängel“ auf. Und zugleich bestätigten einige der darin enthaltenen Daten die Klagen der Anwohner über zu hohen Lärm, die bis dato als subjektiver Eindruck abgetan worden seien.
Laut dem Gutachten „werden die Anlagen seit mindestens November 2025 in Betriebsmodi gefahren, die nicht genehmigt worden sind“, macht Roski-Holz geltend. Auch die „zulässigen Emissionen sind nach wie vor zu hoch“. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme der Nachbarn der Windräder: „Gerade im tieffrequenten Schallbereich überschreiten die Anlagen deutlich die gesetzlich zulässigen Lärmwerte.“
Während einzelne Daten die Sorgen der Anlieger bestätigten, wie sie beteuern, sei das Gutachten als solches aber nicht gemäß der geltenden Standards durchgeführt worden. „Normen und Regeln sind nicht eingehalten worden“, so Roski-Holz. Wörtlich sprach er gegenüber unserer Redaktion von „Pfusch“. „Das hätte auffallen müssen“, sagt Roski-Holz.
Die Anwohner seien „erschüttert“, dass die Messung vom März als Grundlage diene, den Betrieb der Anlage fortzusetzen. Im November waren hingegen Überschreitungen von Grenzwerten registriert worden. In einem offenen Brief bitten die Anlieger den Landrat nun, „sofortige Schutzmaßnahmen für die Anwohner einzuleiten“.
Eine Klage gegen den Kreis, auf dessen Einsicht sie noch hoffen, schließen die Anwohner nicht aus.
Die Bürgerwind Ottmarsbocholt GmbH weist die „Behauptungen“ der Anlieger zurück. „Wir haben versucht, eine sachliche Diskussion zu führen“, so Geschäftsführer Klaus Ewald. Auf Anfrage unterstreicht er, dass die Anlagen die Gesetze und die Hersteller-Daten einhalten – teilweise lägen sie sogar noch darunter. Auch die Bürgerwind schließt inzwischen den Klageweg nicht mehr aus: Irgendwann müssten mal rechtliche Schritte gegen die Äußerungen der Anwohner eingeleitet werden: „Das ist Rufschädigung.“
Der Kreis Coesfeld betont auf Anfrage, dass sich die am 27. Mai eingegangene Schallmessung „in der Prüfung befindet“. Dabei fließe die Stellungnahme des von Anliegern beauftragten Sachverständigen ein. Nachdrücklich weist Coesfeld den Vorwurf zurück, die Hinweise der Anwohner – darunter Hunderte E-Mails – nicht ernst genommen zu haben. Sowohl der Landrat als auch weitere Mitarbeiter hätten sich mehrfach auch in den Abend- und Nachtstunden einen eigenen Eindruck verschafft.
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