Kritik aus dem Umland an den Plänen der Stadtwerke Münster (07.05.2026)
Viel Wirbel um Windräder
Von Elmar Ries
MÜNSTERLAND. Es kommt vermutlich nicht oft vor, dass ein Landrat mobil macht gegen Windrad-Pläne benachbarter Stadtwerke. Im Münsterland ist das aktuell der Fall: Olaf Gericke, Chef der Kreisverwaltung in Warendorf, liest den Stadtwerken in Münster öffentlich die Leviten.
Der Energieversorger will im Warendorfer Ortsteil Milte-Beverstrang vier Windräder errichten. Anwohner wehren sich, die Parteien im Stadtrat sagen Nein, der Landrat protestiert.
Gericke wirft den Stadtwerken „mangelnde Rücksichtnahme in der kommunalen Familie“ vor und fordert das Unternehmen auf, seine Pläne zu überdenken und einen neuen Standort für die Windmühlen zu suchen – „am besten auf dem Gebiet der Stadt Münster“.
Schon das Genehmigungsverfahren war außergewöhnlich. Die Flächen, auf der die Windräder in Milte stehen sollen, sind in dem im April 2025 in Kraft getretenen Regionalplan Münsterland nicht als Windenergiebereich vorgesehen. Die Stadtwerke dürfen dort dennoch bauen, weil das NRW-Wirtschaftsministerium eine Ausnahmeregel verfügt hatte.
Danach dürfen Windräder außerhalb der in Regionalplänen vorgesehenen Flächen errichtet werden, wenn die vollständigen Anträge in einem engen Zeitkorridor vor Inkrafttreten des Planes eingereicht wurden – und keine anderen rechtlichen Gründe dagegensprechen. In Milte war beides der Fall. Folglich wies die Bezirksregierung die zuständige Kreisverwaltung im Frühjahr 2025 quasi auf den letzten Drücker an, die Anlagen zu genehmigen. Ab April wäre dies nicht mehr möglich gewesen …
„Ich kritisiere, dass die Stadtwerke durch den Erlass der Landesregierung eine besondere Situation in einem hochstrittigen Areal ausgenutzt haben. Das ist nicht die feine Art“, sagt Gericke.
Stadtwerke-Sprecherin Juliette Polenz kontert. Die Windradpläne in Warendorf „haben eine rechtlich einwandfreie Grundlage“. Die Stadtwerke stünden „im Markt wie alle anderen Projektplaner auch“. Der Unterschied zu Mitbewerbern finde sich folglich nicht im „Ob“, sondern allenfalls im „Wie“. Hier erwähnt Polenz ausführliche Bürgerinformationen und Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. „Wir projektieren da, wo es rechtlich möglich ist.“ Bei allem Verständnis für die generelle Kritik an Windkraftanlagen: „Wir brauchen diese Energie“, so Polenz. Die Stadtwerke seien der Versorgungssicherheit verpflichtet. Und im Stadtgebiet von Münster sei „das Flächenpotenzial ausgeschöpft“.
Thomas Birr vertritt die Bürgergemeinschaft Beverstrang. An den Stadtwerke-Plänen stört ihn sowohl das „Wie“ als auch das „Ob“. Er habe nichts gegen Windräder, sagt er. In einem seiner früheren Jobs war er selbst mal für deren Bau zuständig. Aber: So ein Projekt gegen den Willen von Stadt, Kreis und letztlich auch Regionalplanung durchzudrücken, sei ein Unding und sage einiges über den Antragsteller aus.
Anderer Ort, ähnliche Probleme: In Nottuln wollen Münsters Stadtwerke sieben Windräder bauen. Auch hier regt sich Widerstand, der aber – anders als in Warendorf – nicht von der lokalen Politik getragen wird. Und anders als im Kreis Warendorf hat sich auch der Landrat des Kreises Coesfeld bislang nicht öffentlich positioniert.
In Nottuln hatte die Gemeindeverwaltung vor dem Inkrafttreten des Regionalplans den kommunalen Flächennutzungsplan aufgehoben, um den Bau zusätzlicher Windräder zu ermöglichen. Prompt traten auch hier die Stadtwerke Münster auf den Plan – und erhielten umgehend einen positiven Vorbescheid vom Kreis. Auch der geplante Windpark Nottuln-Stockum liegt außerhalb der Windenergiezonen des Regionalplans.
„Da für die betroffenen Flächen kein Flächennutzungsplan bestand und auch keine rechtlich relevanten Hindernisse festgestellt werden konnten, war der Kreis Coesfeld verpflichtet, die Vorbescheide nach Abschluss der Prüfung zeitnah positiv zu bescheiden“, heißt es auf dessen Homepage.
Das sehen die beiden Bürgerinitiativen „Windsinn Nottuln“ und „Gegenwind Nottuln“ anders. „Windsinn Nottuln“ hat den Kreis verklagt, das Verfahren ist am Oberverwaltungsgericht Münster anhängig.
Axel Winkler von „Gegenwind Nottuln“ kündigt im Gespräch mit unserer Redaktion an, ebenfalls die Stadtwerke Münster zu verklagen, sobald sie den „Vollantrag für den Bau der Windräder stellen. Und das werden sie ja irgendwann machen müssen“.
Dass es auch einvernehmlich und friedlich gehen kann, zeigen hingegen die Windrad-Pläne in Dülmen. In den Bauerschaften Rödder und Hangenau sowie westlich von Merfeld planen die Stadtwerke Münster den Bau von insgesamt acht Windrädern − in Kooperation mit dem städtischen Versorger. Nennenswerter Widerstand? Fehlanzeige.
Und zwischen Ahlen und Sendenhorst wollen die Stadtwerke Münster sechs Windräder bauen. Das ist aber erst seit ein paar Tagen öffentlich bekannt.
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