Windkraft: „Gegenwind“ überreicht offenen Brief (22.05.2026)
Debatte überschattet „Politik vor Ort“
Von Viola ter Horst
DARUP. Bei „Politik vor Ort“ in Darup machte die Bürgerinitiative „Gegenwind“ Nägel mit Köpfen: Sie überreichte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes ein Schreiben, das ihre Absage an der aktiven Teilnahme an der geplanten Diskussionsveranstaltung zum Thema Windkraft beinhaltet. „Gegenwind“ wolle für den inneren Kreis des von der Gemeinde geplanten Fishbowl-Formats keine Vertreter benennen. Wie berichtet, zweifelt die Initiative das Format an, weil sie meint, dass auf diese Weise keine „echte Diskussion auf Augenhöhe“ zustande komme. In dem offenen Brief, den die Initiative dem Bürgermeister in Darup überreichte, stellte sie einmal mehr dar, dass aus ihre Sicht die Bürger bei einem Projekt dieser Tragweite viel früher hätten beteiligt werden müssen.
Auch sonst dominierte bei „Politik vor Ort“ erneut der von den Stadtwerken Münster geplante Windpark Nottuln-Stockum einen größeren Teil der Gespräche. „Uns belastet das Thema weiterhin“, betonte ein Teilnehmer, der wissen wollte, ob sich Gemeinde und Rat „weiterhin so vehement für die Anlagen im Landschaftsschutzgebiet“ einsetzen würden oder ob es angesichts des zunehmenden Gegenwinds inzwischen ein anderes Fahrwasser gebe.
Bürgermeister Thönnes antwortete, dass das Verfahren nicht einfach rückgängig gemacht werden könne, selbst wenn der Rat zu einer anderen Auffassung kommen würde. „Die Gemeinde hat keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen, es ist völlig irrelevant, welche Meinung wir haben.“
Thorsten Kramer von der UBG räumte ein, dass vor einem halben Jahr möglicherweise Fehler gemacht worden seien oder Dinge nicht ausreichend bedacht worden seien. Martin Seifert von der CDU verwies darauf, dass sich der Rat mit großer Mehrheit für Windkraftanlagen ausgesprochen habe. „Es gibt auch die entgegengesetzte Meinung und viele Befürworter“, betonte er. Der Rat habe damals gute Gründe gehabt, sich so zu entscheiden, wie er das getan habe. „Warum unterstellen Sie da immer was?“ Alles, was jetzt komme, habe ohnehin seine Automatik, verwies er auf die Klagen der Initiativen. „Das sollen Richter entscheiden.“
Thönnes sagte, die Gemeinde habe zudem das vom Kreis empfohlene Verfahren angewendet, so wie das auch in Rosendahl und Billerbeck gelaufen sei. Er verwies auf die separate Diskussionsveranstaltung zum Thema Windkraft am 11. Juni und betonte, „dass das hier jetzt keine Veranstaltung zu Windkraft ist.“
Eine Vertreterin von „Gegenwind“ äußerte scharfe Kritik an dem vorgesehenen Fishbowl-Format, bei dem eine kleine Gruppe im Innenkreis spricht, während die anderen im Außenkreis zunächst zuhören. „Fishbowl – das können Sie sich so abschminken!“, rief sie. Ohnehin sei das Ergebnis der Diskussion von vornherein klar und nicht mehr ergebnisoffen.
Der Bürgermeister entgegnete, dass es sich bei Fishbowl um eine anerkannte Methode handele und auch das Ergebnis nicht feststehe, schließlich seien die Gutachten und Unterlagen für den Windpark noch gar nicht geprüft. „Ich kann Ihre Haltung nicht verstehen.“
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