Fish-Bowl-Format schnell passé (13.06.2026)
NOTTULN. Das Fish-Bowl-Format war schon vorab umstritten. Von der Unabhängigen Bürgergemeinschaft wollte am Donnerstagabend im Gegensatz zu den anderen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen wie angekündigt niemand im „inneren Kreis“ im Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums Platz nehmen – und auch die Bürgerinitiativen „Windsinn“ und „Gegenwind“ fühlten sich hinten im Publikum wohler. Ihre Stühle vorn vor der Bühne blieben Donnerstagabend leer. Insgesamt waren rund 90 Interessierte erschienen, zum großen Teil betroffene Anlieger und Gegner der sechs geplanten Windkraft-Anlagen in Stockum, aber auch viele Befürworter. Weil die Moderatorin Kerstin Juta die Debatte nach einem einleitenden Impuls von Fachbereichsleiter Christoph Bolle, der die Genese der Windkraft-Planungen in Nottuln und parallelen Gesetzgebung aus der Sicht der Gemeinde schilderte, sofort im Plenum freigab, war der Streit über das Format schnell vergessen. Es entspann sich eine Diskussion mit Fragen, Antworten und Statements, deren nüchterne Sachlichkeit nach den teilweise heftig und auch mit persönlichen Angriffen geführten Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen überraschte. Am Ende stand zwar keine Einigkeit – aber wohl die Erkenntnis, dass gegenseitiges Verständnis mit ruhigem Zuhören beginnt.
Viele der Gegner der von den Stadtwerken Münster favorisierten Standorte in Stockum betonten bei der Versammlung, grundsätzlich Befürworter von erneuerbaren Energien zu sein, sie seien nur gegen die Standorte in Stockum, und zwar nicht nur, weil diese teils vor ihren Haustüren liegen. „Die Landschaft liegt mir am Herzen“, unterstrich Teilnehmer Frank Brand. Wäre es nicht auch besser, Standorte zu finden, die besser angebunden seien, fragte er. „Wir müssen doch Netze und Speicherkapazitäten mitdenken.“
Ein anderer Bürger meinte auch, dass diese Standorte im Naherholungsgebiet doch „denkbar ungeeignet“ seien. Besser seien andere, zum Beispiel bei vorhandenen Industriebrachen, zum Beispiel ehemalige Kraftwerke, wo schon Leitungen liegen. Maximilian Wolf von den Stadtwerken Münster hielt dagegen, dass es noch sehr vieler Windkraftanlagen bedürfe, um die Energiewende in Deutschland umzusetzen – und „die Flächen dafür sind knapp“. Er versicherte, dass der Auswahl der Standorte in Nottuln „eine gründliche Bewertung“ in ökonomischer und ökologischer Hinsicht vorausgegangen sei.
Martin Geuking (FDP) ergänzte, dass der Gemeinderat darauf keinen Einfluss gehabt habe, was im Publikum ein Lachen provozierte: „Der Investor entscheidet, wo er investieren will.“ Er verteidigte auch die Entscheidung der Politik in Nottuln, die Vorrangzonen aufzuheben: „Es gab Urteile. Das war nicht mehr rechtsicher.“ Dem stimmten auch die Vertreter von CDU, SPD und Grünen zu.
Aus dem Plenum wurden auch Vorwürfe laut, dass die Gemeinde das ganze Verfahren nicht transparent genug durchgeführt habe. „Wir hätten uns gewünscht, frühzeitig mitgenommen zu werden“, sagte einer. Und eine andere betonte, dass normale Bürger sich eben nicht so mit der Materie auskennten. „Das haben wir nicht im geschlossenen Kämmerlein getan“, wies Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes die Kritik zurück. „Jeder hat das lesen können, was passieren kann“, verwies er auf frühe Artikel in unserer Zeitung. Sein Fachbereichsleiter Christoph Bolle erklärte, dass man sich „an die gesetzlichen Vorgaben zur Öffentlichkeitsbeteiligung gehalten“ habe. Etwas Selbstkritik kam dann aber doch noch, als er einräumte, dass es „vielleicht nicht immer sauber und gut gelungen ist“, alle mitzunehmen.
Sorgen um die Gesundheit wurden bei Versammlung auch laut. Besonders bezüglich des Schalls. Wolf betonte, dass er jeden Anwohner verstehe, „weil das ja eine Änderung der Lebensumstände ist“. Um sie zu schützen, seien Schallemissionsschutzprognosen erstellt worden. „Und die Einhaltung der Richtwerte wird vor Ort auch noch mal nachgemessen.“
Historisch alle Artikel finden Sie unter dem Archiv-Reiter