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Windkraft-Kritiker schreiben an Stadtwerke-Aufsichtsrat (20.01.2026)

Von Viola ter Horst

Nottuln. Die Gegner des Windparks Nottuln-Stockum haben einen offenen Brief an die Mitglieder des Aufsichtsrats der Stadtwerke Münster geschrieben. „Unser Ziel ist, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt Dr. Dr. Rolf Gerlach, der das Schreiben zusammen mit weiteren Vertretern der beiden Nottulner Initiativen verfasst hat. In 13 Fragen greifen die Verfasser zentrale Punkte des geplanten Windparks auf. Sie hinterfragen unter anderem, warum Windenergie nicht stärker im Münsteraner Stadtgebiet ausgebaut werde, obwohl dies zur Klimastrategie und zu Rankings wie dem IW-Consult-Städteranking beitragen könnte. Zudem kritisieren sie die Wachstumsstrategie der Stadtwerke: Der massive Zubau in Nottuln stehe in keinem schlüssigen Verhältnis zu fehlenden Kapazitäten zur Zielerreichung und wecke den Eindruck von Gewinnmaximierung.

Die Gegner verweisen auf stark gestiegene Bilanzsummen und Schulden bei vergleichsweise geringem Zuwachs an Rücklagen und fragen, wie die Geschäftsleitung mit den Risiken umgehen wolle. Sie thematisieren mögliche Kapitalerhöhungen und die Einbindung weiterer Eigenkapitalgeber. Externe Warnungen wie eine PwC-Studie zu einer drohenden Finanzierungslücke bei Energieversorgern sowie Aussagen des E.ON-Vorstandsvorsitzenden zu Netzüberlastungen durch einen unkontrollierten Windkraftausbau werden ebenfalls aufgegriffen. Dem Aufsichtsrat gehören unter anderem Vertreter des Rats in Münster an – nach den Kommunalwahlen daher auch neue Mitglieder. „Wir wollen, dass sie sich mit den Fragen befassen“, sagt Gerlach, der als früherer Präsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe zu den prominenten Gegnern zählt. Nottuln erfülle die Klimaschutzziele 2030 auch ohne den geplanten Windpark, zudem verfüge Münster über ausreichend eigene Flächen. Die Vertreter machen deutlich, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, um den Windpark zu verhindern. Von den Aufsichtsratsmitgliedern erwarten sie „aussagekräftige Antworten“ und keine „üblichen Sprechblasen“.

Klage gegen den Kreis Coesfeld

Mit einer Klage gegen den Kreis Coesfeld gehen 21 Gegner des Windparks Nottuln-Stockum gegen den positiven Vorbescheid für das Vorhaben vor. Diesen hatte der Kreis bekanntlich den Stadtwerken erteilt. „Wir bezweifeln, ob das alles rechtswirksam ist“, sagt Dr. Ralf Gerlach von der Initiative Windsinn-Nottuln. So meinen die Gegner, dass der Kreis auch eine Umweltverträglichkeits-Vorprüfung hätte müssen. Bei einer Akteneinsicht sei aufgefallen, dass Dokumente fehlten. Auch zweifeln die Gegner an, ob das gemeindliche Einvernehmen von Nottuln zu den Plänen korrekt erteilt wurde. Als Aufsichtsbehörde hätte der Kreis dies bemerken müssen. Der Kreis erklärt auf Nachfrage, die Vorprüfung habe ergeben, dass keine Hinweise für eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegen hätten. „Auch in Bezug auf die Lage im Landschaftsschutzgebiet muss der Kreis im Zuge des Vorbescheidverfahrens noch nicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen“, erläutert Kreis-Sprecher Tobias König gegenüber unserer Zeitung. Wenn alle Unterlagen für eine Vollprüfung vorliegen, gäbe es eine Vorprüfung für die Umweltverträglichkeit. „Das kann dazu führen, dass dann – und erst dann – tatsächlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden muss.“ Ein Vollantrag liege aber von den Stadtwerken nach wie vor nicht vor. Und: Den Gegnern seien bei der Akteneinsicht alle beim Kreis schriftlich vorliegenden Informationen weitergegeben worden, so König.

vth

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