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Windkraft-Investoren meiden Münster (05.06.2026)

20 Standorte – aber wenig Interesse

Von Klaus Baumeister

MÜNSTER. Die Stadtwerke Münster sind aktuell im Münsterland sehr aktiv. Sie planen neue Windräder: vier in Warendorf, sechs in Sendenhorst, sieben in Nottuln, acht in Dülmen.

An einigen Standorten gibt es kaum Proteste, an anderen Stellen wie in Nottuln um so mehr. In Warendorf hat sich sogar der örtliche Landrat Dr. Olaf Gericke (CDU) zu Wort gemeldet. Er kritisiert die Pläne der Stadtwerke Münster sehr scharf.

In Münster selbst ist es derweil sehr ruhig. Gerade einmal ein Windrad ist aktuell in der Planung, und zwar eines vom Unternehmen Wind2B GmbH, einem Tochterunternehmen der BBWind mit Sitz an der Schorlemerstraße. BBWind wiederum ist ein Tochterunternehmen des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und hat nach eigenen Angaben bereits 130 Windenergieanlagen gebaut.

Der Standort für das neue Windrad befindet sich am Autobahnkreuz Münster-Süd. In direkter Nähe planen die Stadtwerke Münster eine große Freiflächensolaranlage. Das Areal am Autobahnkreuz ist eine von insgesamt 18 sogenannten Potenzialflächen, die das münsterische Stadtplanungsamt für das Stadtgebiet als Windrad-Standorte ermittelt hat. Nimmt man zwei weitere Standorte im Südwesten von Albachten hinzu, die sich in den bereits bestehenden Windvorrangzonen befinden, so ist – rein rechnerisch – auf dem Stadtgebiet Münster noch Platz für 20 moderne und große Windkraftanlagen.

Warum dann diese Ruhe, derweil der Ausbau der Windenergie im Umland hohe Wellen schlägt? Nun, Insider begründen dies mit der isolierten Lage der meisten münsterischen Standorte. In zehn Fällen käme nur jeweils ein Windrad in Frage. Selbst Robin Korte, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Münster und Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrates, hält es deshalb für nachvollziehbar, dass sich der städtische Energieversorger „verstärkt auf die Entwicklung größerer Projekte (Windparks mit mehreren Anlagen) im Umland“ konzentriere.

Im Stadtgebiet Münster selbst, heißt es in Branchenkreisen, sind nur zwei Potenzialflächen interessant. Zum einen der Bereich Alverskirchener Straße östlich von Wolbeck, zum anderen der Bereich Alter Mühlenweg nördlich von Wolbeck. Hier wären jeweils bis zu drei Windräder erlaubt.

Unterdessen ist zu hören, dass die Zusammenarbeit mit einem Windkraftbetreiber für Landwirte eine extrem lukrative Sache ist. Ein Landwirt aus dem Münsterland, der unserer Redaktion bekannt ist und der selbst an solchen Verhandlungen beteiligt war, spricht von 50.000 bis 60.000 Euro Grundpacht im Jahr. Erweise sich ein Windrad als sehr ergiebig, könne die Jahrespacht auf 80.000 bis 100.000 Euro hochschnellen.

Der Windrad-Boom im Münsterland, so der Informant weiter, führe zu Verwerfungen zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben. Jene Höfe, die regelmäßige Pachtzahlungen von Windkraftbetreibern verbuchen könnten, „haben einen Wettbewerbsvorteil, den andere Betriebe selbst bei größter Anstrengung nicht kompensieren können“. Nicht selten würden zwei benachbarte Landwirte Tag für Tag auf das gleiche Windrad schauen, „wobei der eine finanziell ausgesorgt hat und der andere leer ausgeht“.

Auch was die öffentliche Akzeptanz betrifft, variieren die Reaktionen sehr. Manche betrachten Windräder als Beitrag zur Energiewende, andere sprechen von einer Verschandelung der Landschaft. Derzeit werden diese Debatten aber eher im Münsterland denn in Münster geführt.

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